Der Islam in Deutschland - Ein deutscher Islam?

Engagierte Debatte mit dem DITIB e.V. in Wiesbaden
Nachricht01.11.2017
Podium
Meinhard Schmidt-Degenhard, Prof. Rudolf Steinberg, Prof. Susanne Schröter, Dr. Bekir Alboğa und Dr. Herbert HirschlerKarl-Hermann-Flach-Stiftung

Die Frage des Zusammenlebens der vielen verschiedenen Weltanschauungen wird in unserer Zeit vorallem durch die Debatte über den Islam und seine leider auch fundamentalistischen Ausprägungen bestimmt. In der Wiesbaden Business School kamen nun auf Einladung der Karl-Hermann-Flach-Stiftung und Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit drei Wissenschaftler und Vertreter unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um die konkrete Situation und auch organisatorische Verfasstheit muslimischer Glaubensgemeinschaften in Deutschland zu diskutieren.

Bekir Alboğa
Dr. Bekir AlboğaKarl-Hermann-Flach-Stiftung

Der Generalsekretär der DITIB e.V., Islamwissenschaftler Dr. Bekir Alboğa, gab am Anfang als Sprecher der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion eine passionierte Vorstellung über Geschichte, Auftrag und Arbeit des größten deutschen Dachverbandes der muslimischen Gemeinden. Besonders das breite Engagement durch gesellschaftliche und integrative Angebote in der Fläche stellte er dabei neben der theologischen Unterrichtung heraus. "Wir leben einen pluralen Islam, der die kulturellen Bedingungen hier aktiv mitgestaltet".

Publikum
Karl-Hermann-Flach-Stiftung

Dem entgegnete Prof. Dr. Susanne Schröter, Gründerin und Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), mit auch kritischen Aspekten aus der Realität der DITIB-Arbeit: So sei beispielsweise in Publikationen der Märtyrer-Tod verherrlicht worden und auch antisemitische Vorfälle in Gemeinden bekannt. Zudem bestehe nach wie vor eine starke Abhängigkeit von der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Ein großer Teil des theologischen Personals käme nicht aus Deutschland, sogar staatliche Religionsattachés säßen kontrollierend in den Gremien.

Podium
Prof. Rudolf Steinberg, Dr. Bekir Alboğa und Prof. Susanne Schröter,Karl-Hermann-Flach-Stiftung

Prof. Rudolf Steinberg, ehemaliger Präsident der Goethe-Universität Frankfurt und Rechtswissenschaftler, legte seinen Fokus in der Diskussion unter Moderation durch Meinhard Schmidt-Degenhard auf die religionsverfassungsrechtliche Einordnung der muslimischen Verbände. Die Kooperation mit einem aus dem Ausland gesteuerten Dachverbandes durch den Staat oder sogar die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts fallen für ihn aus. Die gesamte wissenschaftliche Literatur spräche leider für die Kontrolle und Steuerung aus der Türkei.

Ein Vorwurf, den Dr. Alboğa deutlich zu entkräften versuchte. So sei, abgesehen von den aus der Türkei finanzierten Imamen, die ganze Arbeit in den DITIB-Gemeinden durch Ehrenamtler und vor Ort getragen. Alleinige Einnahmequellen dafür seien Mitgliedsbeiträge und Spenden, aus diesen Mitteln entstand auch die im Juni feierlich eröffnete Zentralmoschee in Köln. Die DITIB bestehen zudem auf ihrer Eigenständigkeit gegenüber der türkischen Behörde Diyanet, was sich beispielsweise auch in der souveränen Auswahl von Publikationen zeige.

Meinhard Schmidt-Degenhard
Meinhard Schmidt-DegenhardKarl-Hermann-Flach-Stiftung